Am Ostertag kommt Jesus zu seinen Jüngern, die sich ängstlich in einem Raum eingesperrt haben, und sagt zu ihnen:

Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte: Empfangt den Heiligen Geist! (Johannesevangelium 20)

Um die Kraft dieses österlichen Atems auszudrücken, schuf der Künstler Lois Fasching in der Pfarrkirche Debant eine Altarskulptur mit elf große Holzfiguren. Zehn wirken verwirrt und verängstigt, es sind dies die Apostel am Osterabend. Sie wenden sich dem Auferstandenen zu, der unerwartet in ihre Mitte kommt. Jesus hält beide Hände wie einen Trichter vor sein Gesicht. Man spürt, welche Energie er hat, wie er aus seinem Innersten heraus Kraft holt und seine Jünger und alle Besucher und Besucherinnen der Kirche anhaucht: Empfangt den Heiligen Geist! Jesus gibt seinen Atem weiter. Sein Geist bewirkt, dass sich die Enge meines Lebens in Weite, meine Müdigkeit in Kraft und meine Härte in Liebe und Zuwendung verwandelt.

Die Bibel berichtet, dass Gott dem Menschen bereits bei dessen Erschaffung den Lebensatem schenkt und dadurch der Mensch erst zum Menschen wird.

Da formte Gott, der HERR, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. (Genesis 2,7)

Die Selbstverständlichkeit, dass wir vierundzwanzig Stunden am Tag ein- und ausatmen, wird uns erst dann bewusst, wenn wir Probleme mit dem Atmen bekommen und uns die Luft ausgeht. Wir kriegen keine Luft mehr, wenn die Angst uns einschnürt, uns etwas belastet oder die Überforderung wie eine Felswand vor uns steht und immer größer und unüberschaubarer wird. Druck, Zwang und ständiges Hetzen schnüren den Hals zu. Ein flacher Atem zeugt von Unruhe und schenkt keine Gelassenheit.

Franz Troyer

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